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Lettrist International : 1945 - 1957wurde 1945 in Paris vom Rumänen Jean-Isidore Isou gegründet. Es war hauptsächlich eine Reaktion gegen Andre Breton's diktatorische Kontrolle des Surrealismus und dessen Bewegung weg von den konzeptionellen Dada-Ursprüngen hin zum Mystizismus.Die Lettristen arbeiteten mit einzelnen Buchstaben als Kern-Element einer visuellen Sprache, welche die Basis ihrer neuen Kultur war. Isou entwickelte, zusammen mit Maurice Lemaitre, eine Notenschrift welche erlaubte ihre Gedichte auch mit Chören aufzuführen. Ihr Lexique Des Lettres Nouvelles war ein Alphabet mit über 130 Klängen aus denen sie ihre Gedichte komponierten. Eine Gruppe von Lettristen nahm aktiven Anteil am Ersten Welt-Kongress der Befreiten Artisten (mit dem Slogan 'Die Internationale Bewegung für ein Imaginäres Bauhaus') 1956 in Alba (I). Sie veröffentlichten in der Zeit von Juni 1954 bis November 1957 29 Nummern ihrer Zeitschrift Potlatch. Die letzte Ausgabe trug den Untertitel 'Bulletin d'information de l'internationale situationiste'. | ||
Situationist International : 1957 - 1972An einer weiteren Konferenz in Italien, am 27. April 1957 in Cosio d'Arroscia, gründeten acht Männer und Frauen aus verschiedenen europäischen Ländern die Situationistische Internationale (SI). | ||
Giuseppe Pinot-Gallizio, Piero Simondo, Elena Verrone, Michèle Bernstein, Guy Debord, Asger Jorn, Walter Olmo | ||
| Einige der Gründer kamen von radikalen Kunst-Gruppen, welche um 1950 entstanden, jedoch zu dieser Zeit meist unbekannt waren: COBRA, benannt nach dem Magazin einer nord-europäischen (Copenhagen - Bruxelles - Amsterdam) Gruppe von experimentellen Künstlern, und natürlich Mitglieder der Lettristischen Internationale in Paris.
In ihrer Anfangs-Phase entwickelte die SI eine Menge von Ideen, welche ihren Ursprung im Lettrismus hatten, wie 'Unitärer Urbanismus' und 'Psychogeographie'. Weitere SI-Definitionen sind: | ||
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Die Situationisten wollten die Transformation der Welt in eine welche sich in einem konstanten Status der Revolution und Erneuerung befindet, genauso wie dies F.T. Marinetti ein halbes Jahrhundert in seinem Manifesto of Futurismo vorgeschlagen hatte. Die zwei Hilfsmittel mit denen die Transformation ausgeführt werden sollte, waren Zweckentfremdung und Umherschweifen. In ihrem 56er Essay schrieben Guy Debord und Gil J. Wolman: 'Die Zweckentfremdung ist ein Ersatz für die Kunst und Umherschweifen ersetzt die Arbeit'.
1967 veröffentlicht Guy Debord The Society of the Spectacle (Edition Buchet-Chastel Paris, nachgedruckt 1971 von Champ-Libre in Paris und 1970/77/83 als englischsprachige Version von Black&Red in Detroit), ein Buch welches Ideen von Philosophen wie Sartre, Lukács und Urbanisten wie Lewis Mumford beinhaltet. Es war eine Collage aus Dadaismus, Anarchismus und Existentialismus.Debord argumentierte: 'Die Welt zu einer sinnlichen Erweiterung des Menschen zu machen als die Menschen zu einem Instrument einer entfremdeten Welt, ist das Ziel einer situationistischen Revolution. Für uns ist die Rekonstruktion des Lebens und der Wiederaufbau der Welt ein und dasselbe Begehren. Um dies zu erreichen ist die Taktik der Subversion von Schulen, Fabriken, Universitäten auszudehnen um das Spektakel direkt zu konfrontieren. Schnelle Transportsysteme, Einkaufszentren, Museen wie auch die neuen Fromen von Kultur und Medien müssen als Ziel von skandalösen Aktivitäten in Betracht gezogen werden.' Das Buch aktualisierte die Kritik des Alltags-Lebens mit der Beschreibung von Nachkriegs-Bedingungen, in der die Bevölkerung durch ein einheitliches Medien-System, welches Fernsehen, Zeitungen, Pop-Musik und Kultur umfasst, gefesselt werden. | ||
'Kultur wandelte sich vollständig in Gebrauchsware', schrieb Debord in aphorism number 193, 'muss dementsprechend zur Spitzen-Ware der spektakulären Gesellschaft werden. In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts wird die Kultur eine Schlüsselrolle in der Entwicklung der Gesellschaft einnehmen, eine Rolle welche die
Automobile in der ersten Hälfte, und die Eisenbahnen in der zweiten Hälfte des vergangen Jahrhunderts spielten.'
Wobei aus heutiger Sicht die Rolle des Werkzeuges in dieser Entwicklung der Computer einnimmt.
Die SI hatte in den zehn Jahren ihrer Existenz rund 70 Mitglieder, einige von ihnen waren neben Guy-Ernest Debord: Michéle Bernstein (F), Christopher Gray (UK), Jaqueline de Jong (NL), Asger Jorn (DK), Dieter Kunzelmann (D), Guiseppe Pinot-Gallizio (I), Alexander Trocci (UK), Raoul Vaneigem (B), a.o. | ||
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| Die erste grosse Chance für die SI entstand 1966 an der Strasbourg Universität. Fünf pro-situationistische Studenten gründeten eine Gesellschaft zur Würdigung des Anarchismus, infiltrierten die Studenten-Vereinigung, verwendeten die Gelder der Vereinigung für situationistisch inspirierte Plakate und luden die SI ein eine Kritik über die Universität und der Gesellschaft im Allgemeinen zu schreiben. Das resultierende 28-Seiten Pamphlet DE LA MISERE EN MILIEU ETUDIANT (französischsprachiger Originaltext / deutschsprachige Uebersetzung) wurde erstellt um die Gehorsamkeit gegenüber Familie und Staat zu beenden: 'Die Universität ist zu einer -institutionalisierten- Organisation der Ignoranz geworden; während die 'hohe Kunst' im Takt der Serien-Produktion durch die Professoren aufgelöst wird, welche alle ohne Ausnahme Idioten sind ...' Mit den Gelder der Studenten-Vereinigung wurden 10'000 Kopien des Pamphlets gedruckt und an der offiziellen Eröffnungs-Zeremonie des akademischen Jahres in Strasbourg verteilt. Die Reaktion war ein Aufschrei der Empörung. Die Presse verurteilte die Aktion als eine Aufhetzung zur Gewalt. Die verantwortlichen Studenten wurden von der Universität ausgeschlossen und die Studenten-Vereinigung durch ein Gerichts-Urteil aufgelöst. Zuerst schien es als hätten die Ereignisse in Strasbourg keine besondere Wirkung. Aber in den folgenden Monaten breiteten sich die Ideen der SI auf die Universitäten von Frankreich aus. Aufgrund überfüllter Universitäten wurden Studenten auf andere Orte verteilt. Eine dieser Universitäten war in Nanterre-Paris, wo die Studenten in kleinen Unterkünften lebten, Männer und Frauen getrennt, keine Erholungs-Möglichkeiten und alles kontrolliert von einer zentralen Bürokratie. Die Studenten forderten Reformen, erfolglos! Daraufhin stellten sie Forderungen, von denen sie wussten dass sie abgelehnt werden. Zusätzlich begannen sie Vorlesungen zu unterbrechen und die Kommunikation zwischen Dozenten und Studenten abzubrechen. Die entstandene Unordnung eskalierte mit dem Gerücht, dass zivile Polizisten das Gelände infiltriert haben und eine schwarze Liste mit den Namen der Unruhe-Stifter zusammenstellen. Die Studenten-Vereinigung protestierte. Die Situation entwickelte sich ... | ||
Die involvierten Studenten wurden aufgrund ihrer Theatralik und Gewalt bekannt als Les Enrages / Die Wütenden, benannt nach einer Gruppe der Französischen Revolution. Am 22.März 1968, aus einem Protest gegen die Inhaftierung von fünf Mitgliedern des Nationalen Kommitees für Vietnam, besetzte eine Gruppe von Les Enrages und Anti-Vietnamkrieg Demonstranten die Räume der Universitäts-Administration Sorbonne. Die Bewegung des 22.März war geboren, eine Organisation ohne Hierarchie und ohne ideologisches Programm. Es waren Mitglieder verschiedener Gruppen aber auch nicht-organisierte Studenten.Dany Cohn-Bendit etablierte sich bald als Haupt-Sprecher; er nannte sich selbst 'ein Megaphon für die Bewegung' und 'ein Anarchist aus Ablehnung autoritärer Hierarchien wie Kommunismus und Kapitalismus'. Cohn-Bendit und die Situationisten wollten zentral koordinierte Arbeiter/Studenten-Räte, welche zusammen agieren jedoch ihre Autonomie bewahren. Aus einer institutionalisierten Bürokratie wurde die Sorbonne zu 'einem Vulkan von revolutionären Ideen'. Tag und Nacht wurde in allen Hörsälen leidenschaftlich diskutiert. Der Geist der Pariser Kommune war zurück ... ![]() | ||
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| Mitglieder der Situationistischen Internationale, Les Enrages und einigen andere bildeten The Council For The Maintenance Of The Occupation. Ihre Absicht war Aktions-Kommitees zu bilden, welche die Sit-In's und Streik's von Paris über ganz Frankreich verbreiteten. Am 21.Mai 1968 streikten 10 Million französische Arbeiter, die meisten Fabriken waren besetzt und das Transport-System war stillgelegt. Aber die Kommunistische Partei und deren Gewerkschaft CGT verweigerten die weitere Unterstützung dieses Aufstandes, da ihr Zentral-Komitee keine Kontrolle über die Bewegung hatte ... eine ähnliche Situation wie 32 Jahre zuvor in Spanien, als die Kommunisten den Faschisten 'halfen' die spanische Republik zu zerstören. Dieser General-Streik war die schlimmste Krise für die französische Regierung seit dem 2. Weltkrieg. De Gaulle holte sich die Unterstützung der Armee, löste das Parlament auf und ordnete Neuwahlen an welche die bürgerlichen Parteien gewannen. Aber der Mai'68 in Paris zeigte, dass die situationistische Idee des Intervenierens einer Situation mit bewusster und systematischer Provokation sehr effektiv funktionierte. Eine andere wichtige Erfahrung war, dass in der Beantwortung der Macht-Frage alle Parteien gleich waren/sind. Sie zeigten ihr wahres Gesicht als sie sich gegen die anti-hierarchische und selbstverwaltende Organisation der Bewegung des 22.März stellten. | ||
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